Checkliste für Gebrauchtkauf

Bald ist es wieder soweit: Die neue Motorrad Saison beginnt. Viele überlegen sich jetzt eine neue Maschine anzuschaffen. Beim Neukauf eines Motorrades hat man lediglich das Problem der verschiedenen Varianten unter denen man sich entscheiden muss. Ganz anders sieht es beim Gebrauchtkauf aus. Hier gilt es zunächst die gewünschte Maschine zu einem akzeptablen Preis ausfindig zu machen. Aber selbst wenn die Wunschmaschine nun vor einem steht, so sind die wenigsten von uns doch mehr als Hobby Schrauber und verfügen über eher bescheidene Kenntnisse rund um die Technik unserer Schätzchen.

Fehlkauf vermeiden

Der Kauf eines Fahrzeuges ist immer auch Vertrauenssache und nicht zuletzt gehört auch ein Quäntchen Glück dazu. Um alles so zu finden, wie man es sich vorstellt, kann es unter Umständen auch schon mal etwas aufwändiger werden, das passende Stück zu finden. Ist man dann endlich auf ein passendes Angebot gestoßen, kann man sich entweder einen Profi zum Besichtigungstermin mitnehmen oder selbst anhand der folgenden Checkliste an die Sache herangehen.

Zunächst kann es auch aufschlussreich sein, mit dem Verkäufer ein längeres Gespräch zu führen um z.B. zu erfahren, warum er die Maschine verkaufen möchte. Auch eine direkte Nachfrage nach Mängeln oder was mit der Maschine bereits erlebt wurde kann sehr aufschlussreich sein. Ein Alarmzeichen ist es auf jeden Fall, wenn der Verkäufer nur positive Antworten gibt und auf Fragen eher rumdruckst. Keine Maschine ist nur top. Anhand der nachfolgenden Checkliste kann man darüber hinaus detaillierter prüfen und auch als Laie Mängel erkennen.

Bevor Sie auf Probefahrt gehen:

  • Prüfen Sie die Fahrgestellnummer anhand der Zulassungsbescheinigungen Teil I und II
  • Sind alle zusätzlich verbauten Teile eingetragen
  • Liegen die Inspektionsnachweise vor
  • Lenkkopflager prüfen (Dazu muss das Vorderrad entlastet und die vordere Gabel geschwenkt werden. Ist eine Schwergängigkeit vorhanden oder gar eine Mittel-Rastung spürbar, ist das Lenkkopflager defekt und muss getauscht werden)
  • Suchen Sie bei Lenker, Schaltern und Hebeln, Fußrasten, Fußbremse und Schalthebeln nach Kratzspuren die evtl. von Stürzen stammen könnten.
  • Sehen Sie nach dem Ölstand. Achten Sie auf sichtbaren Ölverlust an Ölfilter, Ablassschraube und Dichtungen. An der tiefsten Stelle unter dem Motor können Sie auch einen Fingertest auf Ölspuren durchführen. Allerdings sollten Sie das nicht bei heißem Motor tun, da Verbrennungsgefahr.
  • Checken Sie die Bremsanlage zunächst mittels einer ersten Sichtprüfung aller Druckschläuche auf Knicke, Scheuerstellen oder porösen Oberflächen. Ist der Druckpunkt an Hand- und Fußhebel sauber? Stimmt die Helligkeit der Bremsflüssigkeit in den äußeren Behältern? Dabei gilt, je älter die Flüssigkeit umso dunkler ist sie. Neue Bremsflüssigkeit dagegen ist beinahe transparent. Prüfen Sie die Bremsbeläge auf ihre Stärke. Entlasten Sie die Räder und drehen sie diese manuell. Schleift eine der Bremsen, könnte einer der Bremskolben klemmen. Schließlich prüfen Sie das Bremslicht auf Funktionalität.
  • Prüfen Sie im Kühlsystem alle Schläuche und Schlauchschellen. Auch im Ausgleichsbehälter des Stand der Flüssigkeiten überprüfen (Hierzu leuchten Sie mit einer Taschenlampe am tiefsten Punkt des Behälters von hinten an). So lässt sich auch erkennen ob evtl. durch das Verwenden von falschem Kühlmittel sich Korrosion im Kühlkreislauf gebildet, was sich durch Schmutzansammlung im Behälter bemerkbar macht.
  • Prüfen Sie die Funktionsfähigkeit aller Lampen und Leuchten sowie der Kontrollleuchten am Cockpit.
  • Prüfen Sie den Auspuff auf Rost (außen und innen) und evtl. Manipulationen. Ist eine Zubehöranlage verbaut, achten Sie auf einen vollständigen DB-Eater und auf die E Prüfnummer.
  • Checken Sie den Tank von außen und von innen. Benutzten Sie für die Innenausleuchtung des Tanks kein Feuerzeug – dies kann unter Umständen kontraproduktiv sein. Prüfen Sie bei älteren Maschinen die Gängigkeit des Benzinhahnes und prüfen alle Benzinschläuche auf Risse, und poröse Stellen. Achten Sie auch hier auf evtl. vorhandene Sturzspuren.
  • Prüfen Sie Kettenspannung und deren Durchhang. Ist Rost vorhanden und lässt sich die Kette evtl. vom Zahnkranz abheben und wenn ja – wie weit?
  • Untersuchen Sie die Sitzbank nach Scheuerstellen und Rissen und überprüfen Sie die Nähte. Sind die Verriegelung und das Schloss gängig?
  • Achten Sie bei Federbein und Gabel auf ölige Verschmutzungen. Diese könnten auf Ölaustritt hinweisen. Die Standrohre auf tiefe Kerben oder Riefen überprüfen und im Stand vorne und hinten wippen. Starkes Nachfedern ist ein Indiz für defekte oder verschlissene Federbeine.
  • Ist die Profiltiefe der Reifen noch gegeben – mindestens 2 mm? Ist das Fabrikat eingetragen ( bei Fabrikats Bindung – in der Zulassungsbescheinigung nachlesen)
  • Auch die Räder und Felgen prüfen. Sind die Speichen verrostet oder die Schrauben am Felgenrand locker? Fehlen gar Speichen oder sind verbogen? Weist das Felgenhorn Dellen oder Spuren von Bordsteinkollisionen auf und läuft es rund?

Während der Probefahrt :

  • Wählen Sie für Funktionstest ein geeignetes Gelände ( z.B. einen großen Parkplatz oder ein Feldweg). Nehmen sie keine Versuche im fließenden Straßenverkehr vor.
  • Sicht- und Hörprüfung des Motors. Springt er ohne Probleme an, läuft er rund und ruhig, riechen die Abgase nach verbranntem Öl? Ist die Batterie stark genug oder hat der Anlasser Probleme richtig durchzudrehen?
  • Um das Lenkkopflager im Betrieb zu prüfen, bremsen Sie auf einer asphaltierten freien Strecke mehrmals kurz hintereinander vorne ab. Sollten Sie aus dem Lenkkopf knackende Geräusche hören, ist das kein gutes Omen. Fahren Sie zudem mit sehr niedriger Geschwindigkeit (max. 30) freihändig um zu sehen, ob die Maschine zu einer Seite zieht.
  • Um die Kupplung und das Getriebe zu prüfen, müssen Sie die Maschine zunächst warm fahren. Erst dann kann man beurteilen, ob die Gänge leise und exakt schalten. Laute Geräusche und eine lange Leerlaufsuche weisen eher auf eine wellige Kupplungsscheibe hin. Geben sie im höchsten Gang bei mittlerer Drehzahl Vollgas. Rutscht die Kupplung hier durch, ist sie mit höchster Wahrscheinlichkeit verschlissen.
  • Beziehen Sie ihr Bauchgefühl mit in die Entscheidung ein. Fährt sich die Maschine gut? Fühlen Sie sich wohl damit? Entspricht sie Ihren Vorstellungen, Wünschen und Erwartungen? Lassen Sie sich gründlich durch den Kopf gehen, was Sie nach einem Kauf erwartet, was Sie z.B. noch an Zeit und Kosten investieren müssen. Holen Sie sich wenn möglich noch eine weitere, möglichst fachkundige Meinung ein.

Wenn Sie alle diese Punkte beachten, ist die Wahrscheinlichkeit einen Fehlkauf zu tätigen sehr gering. Verzichten Sie im Zweifelsfall lieber und suchen Sie weiter.

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